Nachdem nun auch der Flug nach Denver gebucht ist, kann ich ohne Übertreibung sagen, dass die 5.000,- US$ schwere Anmeldung zu dem Ken Wilber Loft-Event in Denver eine der schwierigsten und zugleich erkenntnisreichsten Entscheidungen in meinem bisherigen Leben war. Sie führte mich nämlich von der Erstarrung in die Erstarrung.

Vor der Entscheidung zum Event war ich wie gelähmt, weil ich mich so sehr unter Druck fühlte eine Entscheidung treffen zu müssen (für das höhere Selbst, für die Freude, für den Impuls…). Dann gab es, nach der Online-Ticketbuchung, einen kurzen Moment der gefühlten Befreiung, was jedoch schon einen Tag später wieder umschlug. Nun spürte ich nicht die Erstarrung aus innerem Entscheidungsdruck sondern die Erstarrung aus Angst. Somit hatte ich offen auf dem Tisch liegen, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich wollte meine Zweifel, meine Ängste einlösen, sie quasi mit meiner vermeintlich positiven und mutigen Absicht überfahren, aber der Schuss ging nach hinten los. Also blieb mir nichts übrig, als nun mit dem Anteil zurechtzukommen, der hilflos, verängstigt, blockierend auf mein ganzes System wirkte. Irgendwann war ich soweit alles rückgängig machen zu wollen, erkundigte mich nach den Stornobedingungen (die nicht sehr attraktiv waren) und zog ernsthaft in Erwägung, 2.500,- US$ in den Sand zu setzen, nur um dieses Gefühl der Lähmung und Angst nicht mehr ertragen zu müssen. Nur um wieder ein wenig Sicherheit, einen kleinen Anhaltspunkt zu haben. Ich versuche an dieser Stelle nicht zu übertreiben, aber ich fühlte mich genauso: ganz nüchtern aber in tiefster Verunsicherung. Innerlich kamen Sätze daher wie: ich habe keine Power, ich habe zuwenig Kraft. Im Kontext zum Thema des Events – POWER – mehr als aufschlussreich.

Am Höhepunkt dieses Gefühls der Ausgeliefertheit verfluchte ich das ganze Event aber nicht wegen der 5.000,- US$ sondern wegen dem perfiden Spiel, in das ich mich selbst hineinmanövriert hatte. Plötzlich kam mir aber ein Gedanke: Ken Wilber spricht die ganze Zeit von Integration, aber wie soll ich etwas integrieren, das sich so unendlich weit weg und unzugänglich anfühlt? Ich erinnerte mich an eine Technik, die im Rahmen der integralen Lebenspraxis immer wieder thematisiert wird. Es geht dabei um Schattenintegration. Bislang wollte ich die Methode nicht anwenden, weil ich grundsätzlich kein Fan von Methoden bin. Aber diesmal war der Leidensdruck wohl groß genug. Also setzte ich mich hin und startete mit einem inneren Dialog in schriftlicher Form. Und plötzlich redete ich nicht mit Gott, aber mit diesem meinem zurückgewiesenen Anteil, der nun in Angst, Entsetzen und Erstarrung mein ganzes Existenzgefühl überschattete. Dieser Anteil, nennen wir ihn Widerstand, Blockade, inneres Kind…gab plötzlich ganz klare Antworten auf meine Fragen und es wurde sichtbar, warum ich mich fühlen mußte, wie ich mich fühlte.

Am Ende dieses Dialogs dachte ich mir: Ok, dieses Sichtbar- und Fühlbarwerden, dieses Wieder-Erinnern an einen am Weg verloren gegangen Anteil von mir selbst, wäre jetzt schon die 2.500,- US$ wert gewesen – für den Fall, dass ich stornieren würde. Aber nun war viel weniger Angst da, weil der Anteil, den ich zuvor noch überfahren und ausgesperrt hatte (den ich sozusagen daheimlassen wollte), nun mit von der Partie sein durfte. Es war klar, dass dieser Anteil von mir keine Entscheidungen treffen kann, aber er will bei allem dabei sein, was ich erlebe und erstmals verstand ich auch warum:

Weil ich ohne ihn nicht ganz bin und weil der innere Krieg nicht aufhört solange nicht ein versöhnlicher Waffenstillstand, zwischen den beiden bislang unvereinbar erscheinenden Fronten (Herz und Verstand, Ego und Selbst, Erwachsener und inneres Kind, wie auch immer man es nennen mag) stattfindet.

Das Flugbuchen ging dann ganz einfach. Nun beginnt gefühltermaßen die Phase der wirklichen Ermöglichung und Selbst-Ermächtigung, also zu schauen was machbar ist und sich sinnvoll organisieren lässt – noch immer ohne Netz aber mit neuem Sich-Selbst-Und-Dem-Kontext-Der-Ereignisse-Vertrauen.