Wenn wir von einem Bewusstein der Einheit, der einen Quelle, die alle Vielfalt hervorbringt ausgehen, bleibt trotz aller Befreiungstendenzen ein Problem bestehen. Wie geht man mit der unübersehbaren Ungerechtigkeit innerhalb der rein materiellen Welt um? Wie reagiert man auf sie adäquat ohne sich von ihr vereinnahmen zu lassen?

Welche innere Haltung nimmt man gegenüber Menschen ein, die offensichtlich aus zutiefst unbewussten Motiven heraus handeln, die ganz offensichtlich und tatsächlich nicht wissen was sie tun und in diesem Unwissen oft verherendes Leid verursachen – jedenfalls auf der ganz real gefühlten und erlebten Ebene unseres materiellen Seins in Raum und Zeit. Wenn jedes Leiden nur auf Raum und Zeit begrenzt ist, so ist es immer noch ein Teil unserer Ganzheit, der sich als leidvoll erlebt und der mit gutem Recht alles daran setzen möchte, um dieses Leiden zu beenden. Denn Leiden ist zwar ein Zustand begrenzter Wahrnehmung aber demnach auch Teil der gesamten Wahrnehmung. Wie verändern wir also unseren Fokus ohne dabei das Leiden zu ignorieren oder uns gar überheblich darüber zu stellen, was ohnehin nur in den seltensten Fällen einer authentischen Empfindung entspricht. Denn meistens sind es nur Konzepte die es uns erlauben, das Leiden erträglicher zu erleben – aber was wäre wenn das Leiden auch tatsächlich in der Empfindung aufhört und sich daraus eine völlig geänderte Sicht ergibt.

 

Wir können anderen Menschen und ihren Handlungen (also jenen die wir innerlich ablehnen) nur so gegenübertreten indem wir uns das Leiden vorstellen, dass sie zu diesen Handlungen drängt. Wir sehen all ihre verletzten Anteile (wie unsere eigenen) als Anteile die nach Erlösung streben. Aber anstatt die verletzten Anteile heilen zu lassen, lassen diese Menschen sie regieren und erzeugen damit nur noch mehr Leid für sich und andere. Denn nur weil jemand nach außen hin scheinbar alles erreicht hat, einen hohen finanziellen Status inkl. Macht und Einfluss (zB Donald Trump) heißt das ja noch lange nicht, dass es diesem Menschen gut geht. Und ebenfalls sollte klar sein, dass wir, wenn wir diesen Menschen als Feindbild betrachten und vielleicht auch gegen ihn ankämpfen, die Leidensspirale ebenfalls nur verlängern. Niemand lässt sich freiwillig dazu hinreißen sich einen Irrtum einzugestehen, der vielleicht einen Großteil seiner bisherigen Existenz geprägt hat. Und schon gar nicht Menschen, die aus unbewussten Motiven, vor allem jenen der Trennung, Abspaltung und Ich-Gefälligkeit heraus handeln. Was führt mich also zu einer heilsamen Haltung gegenüber der Ungerechtigkeit oder Engstirnigkeit aus der heraus soviele schmerzhafte und sinnlose Entscheidungen getroffen werden? Eine heilsame Haltung für mich UND für mein Gegenüber. Heilsam im Sinne von Ganzwerdung oder Einswerdung und nicht im Sinne von Rechthaberei. Denn das, was mir richtig erscheint muß dem anderen deswegen noch lange nicht richtig erscheinen, egal wie weit meine eigene Bewusstheit vermeintlich entwickelt ist. Solange wir uns beim Rechthaben aufhalten, ist gar nichts getan. Auch nicht wenn wir zum Schluß Recht behalten. Erst wenn wir in das bedingungslose und fühlbare Erkennen übergehen, dass zwischen dem da draußen und dem da drinnen nur eine gedachte, also illusorische Trennung existiert, werden wir im tatsächlich heilsamen Sinne handlungsfähig werden. Wie diese Handlungen oder auch inneren Haltungen dann aussehen, lässt sich aber nicht festmachen, denn hier betreten wir das bislang wenig experimentierte Feld einer lebendig gewordenen Erinnerung an das, was uns hinter allen Verwirrungen der dieseitigen Welt auf einer tieferen Ebene verbindet.